Die Vorläufer der Wildnispädagogik sind im Prinzip die ursprünglichste Form der Kindererziehung. Seit Anbeginn der Menschheit vor rund 20 Millionen Jahren wurde den Kindern das Leben und Überleben in der Natur gelehrt, indem sie diese auf spielerische Weise entdeckten und mit Hilfe von Mentoren auf ihr eigens Erwachsenenleben vorbereitet wurden. So ist auch heute noch die traditionelle Form der Kindererziehung in allen Naturvölkern.

Aus diesem traditionellen Lernprinzip entwickelte sich Ende des 20gsten Jahrhunderts die moderne Wildnispädagogik. Als Gründer gelten der Lipan-Apache Stalking Wolf, der auf Reisen über den nordamerikanischen Kontinent die spezifischen Lehrprinzipien und das Wissen und Können der einzelnen Naturvölker zusammentrug, sein Schüler Tom Brown Jr. und dessen Schüler Jon Young, die beide jeweils eine Wildnisschule gründeten, und die Wildnispädagogik in Nordamerika und später auch in Europa populär machten. Beeinflusst wurde die Wildnispädagogik zudem durch die Friedensstifterprinzipien der Mahawk-Indianer.

Seit beginn des neuen Jahrtausends verbreitet sich die Wildnispädagogik zusehends und es werden immer neue Schulen gegründet, die das uralte Wissen weitergeben. Dabei machten sie eine Entwicklung von zunächst reinen Survival-Schulen, bei denen es ausschließlich um die Fertigkeiten für ein Überleben in der Wildnis ging, zu echten Wildnisschulen, bei denen die persönliche Entwicklung im Einklang mit der Natur im Vordergrund steht. Dabei gewannen auch andere pädagogische Einflüsse an Bedeutung, wie beispielsweise die Reformpädagogik und die von Kurt Hahn begründete Erlebnispädagogik.

Parallel zur Entstehung der Wildnisschulen wurde die Wildnispädagogik auch immer stärker in die Arbeit der Nationalparks integriert, die es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht haben Wissen über das naturnahe Leben wieder zu verbreiten und zu lehren. Die grundlegenden Ziele und die Methoden sind in beiden Fällen sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Herangehensweise. Während die Wildnisschulen mehr auf die persönliche Entwicklung der einzelnen Schüler ausgerichtet sind, geht es in Ausbildungen der Nationalparks stärker um die Frage nach dem Erhalt der Wälder und Naturreservate und um eine ganzheitliche Umweltbildung.

Auch wurde der Begriff der Wildnis sehr stark erweitert. Da es vor allem in Deutschland kaum noch Gebiete gibt, die wirklich als Wildnis bezeichnet werden können, und da es bei der Wildnispädagogik vor allem auch um das Wiedereinkehren der Natur in unser Alltagsleben geht, wird inzwischen auch viel in zivilisationsnahen Gebieten gearbeitet. Auch hier gibt es viel zu lernen und zu erfahren und jeder kleine Wald vor der Haustür, selbst Parks und Grünanlagen können dazu dienen, wieder in den Kontakt mit Pflanzen und Tieren zu kommen.
 

 
 
     
 
 
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